Deutscher Archivtag 2016, Sektionssitzung 2: „Politikberatung“

Archivwahrnehmung, Lobbyarbeit

29. September 2016, 11:00 – 13:00 Uhr
Leitung: Dr. Monika Storm (Mainz)

Sektionssitzung 3Die Sektionssitzung 2 stand unter dem Thema „Politikberatung“ am Beispiel des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen, des Landtagsarchivs Rheinland-Pfalz und des Stadtarchivs Hildesheim.

Den Anfang machten Dr. Kathrin Pilger M.A. (Duisburg) und Dr. Bastian Gillner M.A. (Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland/Duisburg) mit ihrem gemeinsamen Referat zum Thema „Den demokratischen Prozess mitgestalten – Archive in der Rolle als politische Berater“. Im Zentrum stand die Frage, ob die Archivare sich in „stiller Selbstgenügsamkeit“ üben oder ob sie proaktiv handeln sollten. Im Normalfall berät das Archiv seinen Archivträger in Sachen Aufbewahrungsfristen bzw. Aktenabgaben, auf der anderen Seite beraten die Archivare die Nutzer. Als politischen Berater können Archive jedoch auch auf Entwicklungen in der Kulturpolitik oder bei digitalen Transformationsprozessen Einfluss nehmen, wie z.B. das Landesarchiv NRW bei der Beratung bei Einführung des E-Governmentgesetzes Nordrhein-Westfalen.

Bettina Johnen (Parlamentsarchiv Rheinland-Pfalz, Mainz) stellte in ihrem Vortrag „Archiv und Parlamentsdokumentation als Serviceleistungen für den Politikbetrieb“ vor allem den Servicegedanken des Parlamentsarchivs Rheinland-Pfalz in den Vordergrund, das nicht nur klassisches Archiv, sondern auch Dokumentationsstelle ist. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Portal OPAL, in dem zeitnah Parlamentsunterlagen bereitsgestellt werden können sowie ein Newsletter-Angebot. Beides wird von den Politikern sehr gut angenommen und trägt zur positiven Außenwahrnehmung bei.

Dr. Michael Schütz (Stadtarchiv Hildesheim) referierte zum Schluss zu einer Aufgabe, der viele Kommunalarchive derzeit gegenüber stehen: Den Straßenumbenennungen („Zwischen Hindenburgplatz und Weingärten – Die Federführung des Stadtarchivs Hildesheim bei Straßenbenennungsverfahren“). Oftmals haben Archive in dieser Frage keine Federführung, sie können aber Vorschläge machen. Das Stadtarchiv Hildesheim ist dagegen seit 1998 federführend im Bereich der Straßenumbenennungen. Vielfach ist dabei zu hinterfragen, vor welchem Kontext eine Benennung durchgeführt wurde. Auch gibt es unterschiedliche Sichtweisen auf den Stellenwert einer Benennung, z.B. ob man diese als Ehrenbenennung versteht oder nicht. Schütz plädiert dafür, Umbennennungen nur in Ausnahmefällen vorzunehmen und Straßennamen mit ambivalenten Persönlichkeiten eher zu belassen und als Teil einer Geschichtskultur mit Brüchen zu sehen. Das Stadtarchiv wird als kompetenter und geschätzter Ansprechpartner im vorbereitenden Prozess für die Prüfung der Namen gesehen.

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