Interaktion mit Nutzer – Kurzbericht zur

Nutzung

Sektionssitzung 4 auf dem Deutschen Archivtag 2016 in Koblenz
Link zu den Abstracts

Dr. Eberhard Fritz führte in die Sektionssitzung ein. Im Zeichen der Digitalisierung ändere sich die Interaktion der Archive mit ihren Nutzerinnen und Nutzern. Einerseits erleichtere die Digitalisierung die Zugang und schone die Originale, andererseits gehen der persönliche Archivbesuch und das „Stöbern“ in den noch nicht digitalisierten Findmitteln zurück.

Der „digital turn“ erfordere eine neue Art der medialen Vermittlung archivischer und historischer Themen; die Haptik der Originale tritt dabei zurück. Über allen stehe die Masse der zu digitalisierenden Archivalien als Problem.

img_4636Dr. Tobias Herrmann M.A. (Koblenz) und Vera Zahnhausen (Koblenz): Auf dem Weg zum Digitalen Lesesaal: Das Projekt „Weimar – Die erste deutsche Demokratie“
Herrmann stellte die Ausgangslage und Rahmenbedingungen des im Januar 2016 begonnenen Projektes vor. Das Projekt diene als  weiterer Pilot für den digitalen Lesesaal im Bundesarchiv.und verlange daher eine „signifikante Masse“ digitalisierten Archivgutes. Die Priosisierung der in Frage kommenden Bestände und Themen sowie der Reduzierung finanzieller Mittel führte zur zeitlichen Engerfassung.

Mit dem Projekt sollen folgende fünf Ziele erreicht werden:

  • Erhöhung der Wahrnehmung
  • Gewinnung neuer ArchivnutzerInnen
  • Schonung der Originale
  • Kooperation mit der historischen Forschung
  • Vernetzung von Forschung und Archiven

In den kommenden vier Jahren sollen mit einem siebenstelligen Betrag 90% des ausgewählten Archivgutes vom Original gescannt werden, für die restlichen 10 % sollen einschlägige Mikrofilme digitalisiert werden. Ca. 3,6 Mio Digitalisate werden so entstehen, dies entspricht etwa 7.200 Archiveinheiten.

Zahnhausen schildert nun das konkrete Vorgehen. Eine Projektgruppe, der vom Projekt alle Abteilungen des Bundesarchivs angehören, legte zuerst vier Themenfelder fest:

  • Räte, Revolution, Reublik
  • Kriegsfolgen, Rückkehr in die Zivielgesellschaft
  • Besiegte Nation
  • Aufbruch in die Modern, Goldene 20er Jahre, Frauen

Die Quellen werden nach folgenden Kriterien ausgewählt:

  • Leitquellen (z. B. Reichskanzlei)
  • Vollständige Akten bzw. Aktengruppen, ggf. Teilbestände zur Kontextsicherung für die Forschung
  • Nutzungshäufigkeit
  • wenig wahrgenommene „Aschenputtel“-Akten

Die Bereitstellung wird unter dem bestehenden System als Portal erfolgen (vgl. dem 1. Weltkriegsportal). Akten werden über die invenio-Suche (auch mit direkter Suche nach Digitalisaten), Bilder über die Bilddatenbank und Filme über die Filmothek recherchierbar. Der so entstehende verdichtete Quellencluster ist nach Themen und Archivgutgruppen zugänglich. Ein bewegter, verlinkter Zeitstrahl erlaubt einen chronologischen Zugang. Online-Tutorials, z.B. Lesehilfen, sollen ebenfalls entstehen.

Mehrere neue Angebote für NutzerInnen sollen als Testlauf für zukünftige Projekte integriert werden:

  • Möglichkeit der direkten Kommentierung und Kommentierung
  • Weblog
  • Digitalisate on demand in einem automatisierten Prozess
  • Einbindung eines crowdsourcing-Projektes, an dessen Ende die Integration der Information in die Erschließungssoftware steht.

Das Pilotprojekt soll die Ausrichtung der Arbeit des Bundesarchivs an die Nutzendeninteressen und Ressourcenfragen klären.

img_4637Martina Heine (Wertheim): Nutzung in einer kleinen Archivabteilung. Ein Alltagsbericht
Heine stellte die Nutzung im Staatsarchiv Wertheim als Teil des Archivverbundes Main Tauber (Kreisarchiv Main-Tauber, Stadtarchiv Wertheim), dem „putzigen Archiv im Grünen“ vor. Die Nutzung erfolgt über die Homepage des Landesarchivs Baden-Württemberg, die ungefähr 75 % der Findmittel enthält. Beständeübersicht und Volltextrecherche bieten sich als Einstieg zur Suche an. Fast ausschließlich dient eine E-Mail zur ersten Kontaktaufnahme, deren Beauskunftung entscheidet über die Besuch.
Die zurückgehende persönliche Benutzung erfolgt mehrheitlichaus heimatkundlichen und genealogischen Gründen im Lesesaal des Archivverbundes, in dem die Fachfragen durch die zuständige Abteilung werden. Ein Scanner steht dort für die NutzerInnen zur Verfügung. Zudem ist die Dienstbibliothek als Fernleihstelle von BesucherInnen aus der Umgebung frequentiert.

img_4639Dr. Karsten Uhde (Marburg): Ist die „Schöne Neue Benutzerwelt“ wirklich schön?
Link zur Powerpoint-Präsentation
Uhde stellte die Frage „Bieten wir unseren Nutzenden, was sie im digitalen Zeitalter brauchen. Mit einem Rückblick in die 80er Jahre des 20. Jh. – „Wir hatten ja gar nichts“ – skizzierte er den Weg einer klassischen Archivrecherche eines Nutzenden. Als Nutzer hatte man die thematische Frage in eine Archivfragestellung umzuwandeln. Die Information über möflicher weise zuständige Archive waren nur bei den Archiven selbst einzuholen. Dort konnten man auch weitere Vorfeldinformationen (z.B. über Findmittel) erfragen. „Der Archivar herrschte über das Archivgut und lenkte die Forschung.“ Uhde meinte sinngemäß weiter,  dass viele dies genossen hätten.

Mit dem Beginn des digitalen Zeitalters (Internet, E-Mail) in den 90er Jahren des 20 Jh. stellten auch Archive ihre Informationen und Inhalte digital zur Verfügung. Die Homepage enthielt (erweiterte) Grundinformationen und stellte bspw. Anträge bereit. Bereits 1996 forderte Uhde weitere Schritte der Informationsbereitstellung durch Archive im Internet: – ein Dreiklang aus Beständeübersichten, Findmitteln und Digitalisaten.
Uhde widmete sich nun den Problemen der entsprechenden Angebote aus Nutzersicht:

Beständeübersichten:

  • unverständliche logische Strukur (Provenienzprinzip, Territoialität)
  • unaufgelöste, alte Bezeichnung
  • unaufgelöste Umsignierung
  • schwache Suchfunktion erschwert generell den Nutzen

Findmittel/Portale:

  • unheitliche Datenbankwelt
  • technische Rückstand gegenüber den „Marktführer“ google, ebay
  • unaufgelöste, alte Bezeichnung
  • Retrokonversion ohne Indices und Konkordanzen

Digitalisate:

  • Priorisierung wegen fehlender Ressourchen
  • Digitalisierung on demand noch zu selten
  • Fehlender Mut, Unerschlossenes im Rahmen von crowdsourcing bzw. open science-Projekten bereitzustellen

Obwohl die Skepsis gegenüber den sozialen Medien bei Uhde überwiegt, fordert er die Online -Benutzer-Beratung via Chat, um die Nutzerinnen und Nutzer über die oben auf gelisteten Probleme hinweg zu helfen. Er verwies auf die guten Erfahrungen in der Schweiz, die Beatrice Bürgi auf der Tagung Archive 2.2. 2015 in Siegen präsentierte.

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