Wieviel Radfahrerwissen steckt noch in Archiven?

Allgemein, Archivwahrnehmung

Ein Gastbeitrag von Jens Bemme

Das Jubiläum „200 Jahre Fahrrad“ ist eine runde Gelegenheit zu fragen, wieviel altes Radfahrerwissen in Archiven steckt das noch nicht gesucht, gefunden und erneut sichtbar gemacht wurde. Welche Wege gibt es, für dieses Wissen und die Quellen, in denen es steckt und stecken könnte, Neugier zu wecken?

Durch die Digitalisierung historischer Radfahrerbücher entstand in den vergangenen Jahren eine digitale „Sammlung“ von Tourenbüchern, Radfahrerkarten und anderer Radfahrerliteratur. Die Herausgeber und Autoren waren im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bürgerliche Radfahrer und Vereinsfunktionäre – später auch Arbeiter-Radfahrer bzw. Verlage, die für diese radfahrenden Kunden veröffentlichten. Dabei kann man feststellen: Die regionalen Radfahrerbünde sind weitgehend in Vergessenheit geraten. Auch eine wünschenswerte Übersicht aller historischen Radfahrervereine gibt es noch nicht. Stadt- und Staatsarchive sind dafür mutmaßlich unerschöpfliche Quellen, um die Geschichte des Fahrrads und des Radfahrens auf lokaler und regionaler Geschichte 2017 (und danach) im Detail neu zu erzählen.

Von Interesse für die Familien- und Heimatforschung könnte bspw. das Jahrbuch der deutschen Radfahrervereine 1897 sein. Auf Wikisource wird die OCR der 440 Seiten des Jahrbuchs mit Vereinsadressen, Namen und Berufsbezeichnungen derzeit korrigiert. Hilfe ist willkommen – und Verbindungen zu und mit anderen (digitalen) Quellen erst recht!

Gab es in Ihrem Ort um 1900 einen Radfahrerverein? Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung!

Kontakt: Jens Bemme, Dresden – www.jensbemme.de, Twitter: @jeb_140 bzw. @radfahrerwissen

4 Gedanken zu „Wieviel Radfahrerwissen steckt noch in Archiven?

  1. Herzlichen Dank für die ersten Hinweise auf historische Radfahrvereine und Archivbestände.

    Bis eine zweckmäßigere Stelle für kollaboratives Ergänzen einer zukünftigen Sammlung bzw. „Liste der historischen Radfahrervereine“ gefunden ist sammle ich weitere Hinweise auf der Diskussionsseite des Wikipediaartikels ‚Vereinigung deutscher Radsport-Verbände‘: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Vereinigung_Deutscher_Radsport-Verb%C3%A4nde#Deutschland.

    Bitte ergänzen Sie auch dort, Hilfe ist willkommen.

    1. Hallo Herr Bemme,
      auch auf dem Gebiet des heutigen Troisdorf gab es um 1900 mind. zwei Radfahrvereine. Zum einen den 1908 in Spich gegründeten „Blitz“ Spich sowie den Radfahrerclub Möwe. Dieser existierte bereits um 1901 in Troisdorf (Gründungsdatum leider noch nicht bekannt).
      Grüße A. Winter, Stadtarchiv Troisdorf

  2. Hallo Herr Bemme,

    also auch hier im blog (wie eben per E-Mail besprochen und von Ihnen dort erbeten) ein Verweis auf die ersten Treffer aus dem Stadtarchiv Dülmen:

    Amt Rorup, A 321
    Gesellige Vereine
    – Satzung des Radfahrer-Vereins „Opel“ in Lette (1911)

    Amt Rorup, A 381
    Verkehr mit Fahrrädern
    1900-1934

    Stadt Dülmen, Ca 32
    Regelung des Fahrradverkehrs
    1914-1918

    Bauakten, Nr. 592
    Bauakte Westring 1, Albert Schmitz
    – Neubau einer Fahrradreparaturwerkstatt 1934-1935

    Stadt Dülmen, Bu 9
    10.12.1909, Stadtverordneten-Versammlung, TOP 1: Bericht der Rechnungsrevisoren über die Prüfung der Stadtkassenrechnung pro 1908 und Festsetzung der betr. Rechnung. 4. Die Radfahrkartengebühren sollen von jetzt ab in die Stadtkasse abgeführt werden.

    Stadt Dülmen, Bu 2
    11.08.1914, Magistratssitzung, TOP 6: Für den Dienstgebrauch soll ein neues Fahrrad gekauft werden.

    SB 789
    Anton Növer: Erinnerungen an den Kaufmann und Schneidermeister Louis Anton Növer aus Dülmen (1853-1913)
    – Werbeanzeigen (Patent-Radfahrhose)

    Zeitungsartikel (Auswahl):
    24.06.1897: Radfahrverein Coesfeld feiert 12. Stiftungsfest, Ausschreibung der Rennen
    07.06.1898: Rasender Radfahrer verletzte Kind und fuhr davon
    12.10.1899: Fahrrad nicht mehr ausschließlich Sportgerät sondern Verkehrsmittel
    22.09.1900: Aloys Schmitz kauft den Borken`schen Garten um eine Radfahrbahn zu bauen
    22.12.1900: Polizei-Verordnung: Verkehr mit Fahrräder auf öffentlichen Wegen
    26.10.1901: Schneidermeister Növer aus Dülmen erfand Radfahrerhose und meldete Patent an
    21.10.1902: Schneidermeister Anton Növer erhielt in Düsseldorf Prämierung für Radfahrhose
    10.02.1903: Nähmaschinen und Fahrräder verkauft Hubert Brambrink, Hiddingsel
    22.03.1904: Fahrräder und Nähmaschinen von Aloys Schmitz, Radfahrlehrbahn, Reparaturwerkstatt
    04.06.1908: Auszug aus der Polizeiverordnung: Fahrradbeleuchtung
    20.08.1908: Radfahrkarten müssen nicht mehr jährlich erneuert werden
    07.10.1909: Buldern: Bei Schlagheck gestohlene Fahrräder bei Berlin gefunden
    21.10.1909: Schöffengericht: Fahrraddiebstahl
    30.10.1909: Rorup: Fahrraddiebe in Osnabrück geschnappt
    18.04.1911: Triumpf-, Möwe-, Orion-Fahrräder von Clemens Timpte, Dülmen
    20.05.1911: Buldern: Weihbischof Illigens spendete 300 Firmlingen das Sakrament, Reiter und Radfahrer hatten den Bischof begleitet
    19.09.1911: Schlägerei zwischen Radfahrer und Fußgänger
    27.07.1912: Gestohlen wurde einem Arzt das Fahrrad vor dem Krankenhause
    […]

    Herzliche Grüße
    Stefan Sudmann

  3. Guten Morgen, und danke!

    Erst gestern wurde die Liste der 113 Mitgliedsvereine des Oberbadischen Radfahrerbunds um 1930 in der Wikipedia veröffentlicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Oberbadischer_Radfahrer-Bund . Und bei Recherchen für die Lausitz fanden wir zehn Bezirke mit ihren Bundesvereinen sowie eine Liste der Bundeseinkehrstellen des Lausitzer Radfahrer-Bunds: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Lausitzer_Radfahrer-Bund . Wieviele Radfahrervereine der Sorben es gegeben hat, wird gerade geklärt.

    Sehr schön, wenn solche Funde wieder Neugier auf regionales Radfahrerwissen wecken. 🙂

    Schönes Wochenende!
    Jens Bemme

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