Positionspapier des AK Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit

Aktuelles, Allgemein, Bildungsarbeit, Kulturpolitik, Öffentlichkeitsarbeit

Bereits bei der 31. Archivpädagogenkonferenz 2017 in Bad Arolsen kritisierten die TeilnehmerInnen gesellschaftliche Tendenzen, bislang geltende Grundsätze der Erinnerungskultur in der Bundesrepublik aufzulösen. Der Arbeitskreis Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit im VdA verdeutlicht nun seinen Standpunkt zu dieser Thematik mit einem eigenen Positionspapier.

Das Positionspapier wurde vom Arbeitskreis unter der Leitung von Dr. Annekatrin Schaller in den vergangenen Monaten ausgearbeitet und bei der Sitzung vom neuen Gesamtvorstand des VdA am 16. November 2017 verabschiedet.

Inhaltlich bilden vier Punkte den Kern des Papier:

  1. Bildungsarbeit an Archiven ist politisch unabhängig.
  2. Bildungsarbeit an Archiven ist für alle da.
  3. Bildungsarbeit an Archiven fördert ein kritisches Geschichtsbewusstsein.
  4. Bildungsarbeit an Archiven fördert due aktive Teilhabe an der Wissensgesellschaft.

Der Arbeitskreis betont damit die Relevanz historischer Bildungsarbeit und richtet sich ausdrücklich  gegen die Banalisierung von Geschichte und Bestrebungen, den Nationalsozialismus zu relativiern.

Download: Positionspapier (pdf-Datei)

3 Gedanken zu „Positionspapier des AK Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit

  1. Der Arbeitskreis schafft es, sich in dem Positionspapier selber mehrfach zu widersprechen. Da sollen zum einen „Geschichtsbilder dekonstruiert werden“, aber allein (!) der Nationalsozialismus darf dann nicht „relativiert“ werden, obwohl man besonders ihn „multiperspektivisch“, also gerade nicht einseitig behandeln will. Der Tenor des Textes spricht der löblichen Forderung 1 „Bildungsarbeit an Archiven ist politisch unabhängig“, Hohn. Wie wenig man wirklich von kritischer Arbeit verstanden hat, zeigt die denkbar deplatzierte Verwendung des Ausdrucks „Holocaust“ (= Brandopfer) für den Judenmord im zweiten Weltkrieg. Diesen ganz der religiösen Sphäre angehörenden Begriff sollte man dort belassen, denn das Ereignis des Judenmords besitzt keine religiöse Dimension, geschweige denn Erlösungskraft, wie das Wort suggeriert.

    1. „Dekonstruktion“ ist ein Begriff der Geschichtsdidaktik, mit der der Kommentator scheinbar nicht vertraut ist. Der Begriff meint, die Perspektiven-, die Zeit- und die Interessengebundenheit sowohl von Quellen als auch von Geschichtsnarrationen (Rekonstruktionen) zu erkennen und diese zu reflektieren.

      Dass der Begriff „Holocaust“ für den NS-Völkermord an sechs Millionen Juden allgemein gebräuchlich ist, bedarf wohl eigentlich keines Kommentars.

      Die politische Unabhängigkeit, die der Arbeitskreis für die Archivpädagogik postuliert, schließt nach meinem Verständnis keine Positionen ein, die heute wieder an „gute Seiten“ des Nationalsozialismus erinnern wollen (=Relativierung). Vielmehr sollte die Frage lauten, von wem und warum wieder derartige Erinnerungsmuster hervorgeholt werden. Für mich ist das Papier insofern sehr schlüssig.

      1. Zitat: „Dass der Begriff „Holocaust“ für den NS-Völkermord an sechs Millionen Juden allgemein gebräuchlich ist, bedarf wohl eigentlich keines Kommentars. “
        Der Kommentator weicht hier aus, weil er sonst Ideologiekritik üben müsste, was übrigens auch bei der Methode der Dekonstruktion notwendig ist. Gerade dies will das Arbeitspapier aber hinsichtlich der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus (aber nur hier) krampfhaft vermeiden und straft damit seine eigenen Ansprüche, die anderswo sonst überall gelten sollen, Lügen.
        Denn gerade dem gilt es nachzugehen: Warum für den Judenmord ein aus einem ganz anderen Zusammenhang stammender Ausdruck sich etabliert hat, dessen Verwendung rational nicht erklärbar ist, und noch schier überall mit bizarrer Penetranz vorgetragen wird.

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