Entwurf: Leitbild des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare

Allgemein, Archivwahrnehmung, Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit

Am 29. September 2016 wird im Rahmen des 86. Deutschen Archivtags in Koblenz die VdA-Mitgliederversammlung 2016 stattfinden, zu der alle VdA-Mitglieder sehr herzlich eingeladen sind. Die Tagesordnung der Mitgliederversammlung finden Sie im gedruckten Programmheft oder hier. Unter TOP 5 wird der Mitgliedschaft das vom Gesamtvorstand VdA erarbeitete Leitbild für den Verband vorgestellt. Den Entwurf des Gesamtvorstandes finden Sie untenstehend. Kommentare und Diskussionen zu diesem Entwurf sind ausdrücklich gewünscht.

Offizielle Änderungsanträge von VdA-Mitgliedern unter Angabe der Absenderdaten sind allerdings per E-Mail (info@vda.archiv.net) oder auf dem Postweg bis spätestens 22. Juli 2016 direkt an die Geschäftsstelle zu senden.

  • Wir vertreten die Interessen des gesamten Archivwesens in Deutschland.
    Unsere Arbeit ist geleitet von den Grundsätzen der von der UNESCO am
    10. November 2011 verabschiedeten Declaration on Archives. Demnach sind die zentralen Aufgaben der Archive zum einen, das kulturelle Erbe zu bewahren, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zu vermitteln; zum anderen durch Dokumentation des Verwaltungshandelns als Säule des demokratischen Rechtsstaats zu wirken und als Dienstleister den Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung und der Forschung die archivierten Informationen nach der Maßgabe der Gesetze zur Verfügung zu stellen.
  • Wir stellen die Mitglieder in den Mittelpunkt unseres Handelns.
    Daher werden deren Wünsche und Anregungen in besonderer Weise in die tägliche Arbeit des Verbandes eingebunden. Hierbei legen wir auf den fachlichen Austausch und die Vernetzung der einzelnen Archive großen Wert und unterstützen diese durch vielfältige Angebote und Veranstaltungen.
  • Wir fördern den Dialog unter unseren Mitgliedern.
    Wir möchten, dass unsere Mitglieder aktiv die Verbandsarbeit gestalten, prägen und mit Leben füllen. Wir bieten deshalb unter anderem die Mitarbeit in Fachgruppen, Arbeitskreisen, Landesverbänden und Referententätigkeiten auf Verbandsveranstaltungen an.
  • Wir treten für eine ausgezeichnete und zukunftsgewandte Aus- und Fortbildung ein.
    Gut ausgebildete Archivarinnen und Archivare sind ein Alleinstellungsmerkmal in der vielgestaltigen Kulturlandschaft. Daher ist uns eine gute, fachlich fundierte Aus- und Fortbildung sehr wichtig. Wir bieten in regelmäßigen Abständen Workshops an und informieren über Weiterbildungsangebote, um der gesellschaftlichen Anforderung des lebenslangen Lernens gerecht zu werden. Wesentliche Partner sind hierbei internationale und nationale Wissenschaftsinstitutionen und archivarische Aus- und Fortbildungseinrichtungen.
  • Wir setzen uns für die Weiterentwicklung zukunftsweisender Standards im Archivwesen ein.
    Wir vertreten das deutsche Archivwesen in zahlreichen Gremien und nehmen zu Gesetzgebungsverfahren und politischen Entscheidungen Stellung. Damit stellen wir sicher, dass das deutsche Archivwesen auf nationaler und internationaler Ebene als ein wichtiger und qualitativ unersetzbarer Bestandteil eines zukünftigen Informations- und Dokumentationsmanagements sowie der Informationsvermittlung wahrgenommen wird.
  • Wir suchen den regelmäßigen Kontakt mit Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft.
    Wir sehen unsere Aufgabe darin, uns öffentlich als Organisation zu positionieren, die für den Erhalt einer demokratisch und rechtsstaatlich verfassten Gesellschaft wichtig ist.
  • Wir verstehen uns als Brückenbauer zu allen wichtigen wissenschaftlichen und kulturellen Nachbardisziplinen.
    Hierdurch möchten wir den Fachaustausch voranbringen, um das vielseitige Kulturerbe zu sichern und zugänglich zu machen, und gleichzeitig die Bedeutung der Archivlandschaft in Deutschland beim dauerhaften Erhalt kultureller Identität herausstellen.
  • Wir fördern den internationalen und interkulturellen Austausch zwischen Archivarinnen und Archivaren.
    Wir unterstützen den Erfahrungsaustausch und Fachdiskurs mit Archivarinnen und Archivaren anderer Länder und Kontinente. So erhalten wir neue Impulse für die eigene Arbeit und bieten gleichzeitig zukunftsorientierte Ideen und Konzepte im interkulturellen Dialog. Zugleich nutzen wir die Möglichkeit, unser Fachwissen bei der Entwicklung internationaler Standards einzubringen. Dadurch ist es uns möglich, bei der weltweiten Herausforderung zum Erhalt des kulturellen Erbes aktiv mitzuwirken.

10 Gedanken zu „Entwurf: Leitbild des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare

  1. Zustimmung in allen Punkten, wobei insbesondere der 6. Abschnitt (regelmäßiger Kontakt mit der Öffentlichkeit…) meiner Meinung nach besonders zu betonen ist.

  2. Alle Punkte sind voll und ganz zu unterstützen.
    Die Öffentlichkeitsarbeit, das Ansehen des Berufsstandes in der Gesellschaft sowie die Möglichkeit einer berufsbezogenen Aus- und Fortbildung, die auch Karrierewege für Archivare eröffnet, sind wesentliche Bausteine um einerseits den Bekanntheitsgrad des Berufsbildes zu steigern und um andererseits die Attraktivität des Archivarsberufes für den zukünftigen Nachwuchs zu erhalten.
    Voraussetzung zur Durchsetzung dieser Punkte ist ein starker Verband mit möglichst vielen aktiven Mitgliedern.

  3. Zum Anstrich Ausbildung: „Gut ausgebildete Archivarinnen und Archivare sind ein Alleinstellungsmerkmal in der vielgestaltigen Kulturlandschaft.“ Alleinstellungsmerkmal für wen? Was ist der Sinn des Satzes? Alternativer Vorschlag: „Professionelle Archivierung setzt eine sachgerechte archivfachliche Qualifizierung voraus. Daher ist uns…“

    Zum Anstrich „regelmäßiger Kontakt mit Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft“: Dieses „Ziel“ (der Kontakt als solcher ist ja noch keins) ist nicht zu erreichen. Als VdA-Mitglied, das sich im Vorstand eines Landesverbandes engagiert, beobachte ich die Aktivitäten des VdA-Gesamtverbandes seit Jahren und kann weder erkennen, dass es „regelmäßige Kontakte mit Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft“ gibt, noch halte ich es für realistisch, dass sich das wird ändern können. Es wäre schon gut, wenn der VdA es schaffen würde, dass a) der zweijährliche „Tag der Archive“ erfolgreicher wird (mehr teilnehmende Archive, mehr überregionale Presseresonanz) und b) gezielte Lobbyarbeit aus aktuellen Anlässen (Beispiel Würzburg) stattfinden kann. Ich plädiere für eine Präzisierung dieses Abschnittes.

    Zum Anstrich „Brückenbauer …“: Sehr anspruchsvoll und damit vage formuliert. Was sind denn „alle wichtigen wissenschaftlichen und kulturellen Nachbardisziplinen“? Angesichts der geringen Zahl von VdA-Mitgliedern, die sich jenseits der Beitragszahlung wirklich aktiv in die Verbandsarbeit einbringen, ist auch dieses Ziel nicht realistisch. Es wäre schon gut, wenn der VdA es schaffen würde, die Kontakte auszubauen a) mit den Historischen Wissenschaften, b) mit den Bibliotheken (bei denen einiges für Archive wichtiges passiert), c) mit den Familienforschern, eine gut organisierte Kundengruppe, die mit den Archiven viele Interessen teilt und eine starke „pressure group“ sein könnte. Ich plädiere für eine Präzisierung dieses Abschnittes.

    Fazit: Über den Sinn eines Leitbildes kann man geteilter Ansicht sein. Für die Verständigung über Ziele und als Maßstab für das eigene Handeln kann es m. E. nützlich sein, aber nur, wenn man nicht schon zum Zeitpunkt seiner Verabschiedung weiß, dass die im Leitbild formulierten Ziele nicht erreicht werden können.

    1. Leitbilder müssen per se allgemein formuliert sein, um eine Festlegung auf allzu Konkretes zu vermeiden. Daher:
      1. Zustimmung zum Verbesserungsvorschlag von TKLuttig bzgl. der Formulierung zur Ausbildung.
      2. Kontakte mit Öffentlichkeit etc. zu intensivieren ist ein wichtiger Satz für ein Leitbild. Und da entscheidet letztlich auch das Engangement der derzeit „stillen“ Mitglieder abseits des Gesamtvorstandes. Insofern sind alle Mitglieder aufgerufen, an der Erfüllung des Leitbildes mitzuwirken. Vielleicht müsste der Gesamtvorstand entsprechend für Öffentlichkeitsarbeit personell erweitert werden. Mehr Schultern tragen mehr Arbeit.
      3. „Brückenbauer“: Der pragmatische Ansatz, sich auf die Historischen Wisssnschaften, Bibliotheken und Familienforscher zu konzentrieren, wäre eine Konsequenz aus dem Leitbild, orientiert an den personellen Ressourcen im Gesamtvorstand. Der Anspruch des Leitbildes wird für mich dadurch aber nicht in Frage gestellt. Auch hier gilt: Mehr aktive Mitglieder könnten für eine breitere Umsetzung sorgen.
      Ein Leitbild sollte längerfristig gültig sein können, das scheint mir mit dem Entwurf des VdA gegeben. Die Frage, wo dann im Alltag die Prioritäten zu setzen sind, wäre erst danach zu klären.

  4. 1. Zu: Wir vertreten die Interessen des gesamten Archivwesens in Deutschland:
    Gut formuliert, nur würde ich am Ende statt „nach der Maßgabe der Gesetze“ lieber „unter Wahrung berechtigter schutzwürdiger Interessen Dritter“ schreiben. Ich beschäftige mich zurzeit intensiver mit Archiven und ihren Aufgaben bei Grund- und Menschenrechtsverletzungen. Da suggeriert die Orientierung an Gesetzen in Leitbildern eine gewisse potentielle Unterwürfigkeit, die mit „Säule des demokratischen Rechtsstaats“ nur so lange nicht im Widerspruch steht, solange sich dieser Staat demokratisch und rechtsstaatlich verhält. Also lieber weniger an Formen und mehr an Ideale gebunden schreiben!
    2. Wir verstehen und als Brückenbauer zu allen wichtigen wissenschaftlichen und kulturellen Nachbardisziplinen:
    Frage: Nachbardisziplinen zu was, zu welcher Disziplin? Hier sollte die Archivwissenschaft oder was immer die Autoren hier meinen beim Namen genannt werden! Andernfalls klingt das wie ein Schuss ins Blaue.
    3. Wir fördern den internationalen und interkulturellen Austausch zwischen Archivarinnen und Archivaren: Hier nur eine Nachfrage; das ist doch ideell gemeint, oder gibt es für so etwas auch ein Förderprogramm? Ich würde das sehr, sehr begrüßen!
    4. Frage: Sehen die Autoren irgendwo eine besondere Klammer zum ICA? Das ist nicht nötig, nur falls es beabsichtigt gewesen sein sollte, wird es m.E. nicht ersichtlich.

    Danke für die Mühe!

  5. Gesamtvorstand bzw. Autoren: Ist da wer?
    Der GV ruft zu Kommentaren und Diskussionen auf, reagiert aber nicht auf explizit an die Autoren gestellten Fragen. Sollte nicht unter den 22 (!) Mitgliedern des Gesamtvorstandes mindestens eine/r befugt und beauftragt sein, auf Fragen zum Entwurf zu reagieren – und dies einigermaßen zeitnah und nicht erst in Form eines Statements vor der Mitgliederversammlung in Koblenz? Das muss ja niemand aus dem geschäftsführenden Vorstand sein, aber eine/r von 22?

    Und VdA-Mitglieder: Ist da wer? Da besteht – selten genug – die Möglichkeit zur Beteiligung an einer konzeptionellen Diskussion darüber, wohin unser Verband sich entwickeln soll. Und scheint ungenutzt zu verstreichen.

    1. Der Kollegin ist zuzustimmen: Wenn nur die oben angesprochenen offiziellen Änderungsanträge in der Mitgliederversammlung Berücksichtigung finden, wäre die Diskussion hier im Blog Zeitverschwendung. So ist es aber wohl (vermutlich entsprechend der Satzung) gemeint. Offenbar muss erst jede/r Kritiker/in seinen/ihren Blogpost unter Angabe der persönlichen Daten bis 22.7. an die o.g. Emailadresse senden.

  6. Statement aus dem Vorstand

    Der Gesamtvorstand, welcher diesen Entwurf erarbeitet hat und diesen zur Diskussion stellt, möchte mit dem Leitbild dem Verband eine handlungsleitende Orientierung geben. Ganz bewusst soll das Leitbild für alle strategischen und operativen Handlungen und Zielsetzungen einen nicht zu starren Rahmen geben.

    Da das Leitbild vom obersten Souverän des Verbandes, der Mitgliederversammlung, verabschiedet werden soll, ist der Entwurf des Leitbildes allen Mitgliedern zusammen mit der Einladung und der Tagesordnung zur Mitgliederversammlung auf dem Postweg zugegangen. Im Sinne einer offenen Verbandskultur freuen wir uns über anregende Diskussionen zum Entwurf im VdA-Blog – auch von der interessierten Öffentlichkeit. Um neuen Gedankengängen und Ideen genügend Raum zu lassen, hat sich der Vorstand absichtlich dafür entschieden, sich mit eigenen Beiträgen und Kommentaren zunächst zurückzuhalten und in die laufende Diskussion unter Mitgliedern und der interessierten Öffentlichkeit nicht aktiv einzugreifen.

    In seiner Sommersitzung setzt sich der Vorstand mit allen bis dahin hier veröffentlichten Anregungen aus dem VdA-Blog auseinander und wird entsprechende Änderungsvorschläge in der Mitgliederversammlung unterbreiten. Zudem werden die offiziell eingegangenen Anträge aus der Mitgliedschaft gesichtet und in der Mitgliederversammlung am 29. September 2016 vorgestellt.

    Der Vorstand ruft nochmals alle Mitglieder und die interessierte Öffentlichkeit dazu auf, sich in die Diskussion im VdA-Blog einzubringen, den Meinungsaustausch zu fördern und dadurch auch auf offene Fragen einzugehen.

  7. Die Ziele sind mir teilweise zu wolkig bzw. zu lau.
    Einerseits finde ich die Tendenz viel zu kulturlastig. Ich habe nichts gegen „Kultur“, aber sie ist ohnehin unterfinanziert und unterliegt als erstes den Spardiktaten. Es sollte viel stärker auf die Dienstleistungsfunktion für die Verwaltung, die Transparenzfunktion, die rechtsstaatliche Säule etc. abgehoben werden (die „Systemrelevanz“ der Archive, wie ein bekannter Journalist das genannt hat). Aber das ist wohl eine isolierte Einzelmeinung, wenn ich hier lese, dass der „Brückenbau“ auf Historische Hilfswissenschaften, Bibliotheken und Familienforschung konzentriert werden sollte.
    Andererseits die „gut ausgebildeten Archivarinnen und Archivare“. Was heißt das denn eigentlich? Abiturienten, Bachelor, Masters oder einfach archivfachlich gut ausgebildet? Was machen wir dann aber mit fachfremden Quereinsteigern, die es doch wohl immer noch in Größenordnungen gibt? Oder mit dem Bundesland im Nordosten der Republik, in dem der oberste Staatsarchivar dem Vernehmen nach weder archivfachlich noch kulturwissenschaftlich noch verwaltungswissenschaftlich noch juristisch ausgebildet ist?

    1. – „Kultur“ vs. „Dienstleistung für die Verwaltung“? Das sind doch zwei Seiten einer Medaille und keine Gegensätze! Das Leitbild beruft sich da zu Recht auf die Declaration on Archives der UNESCO.
      – Archivfachliche Ausbildung ist innerhalb des Verbandsgebiets des VdA vielfältig, außerdem ist die Arbeit von Quereinsteigern eine Realität (und nicht notwendigerweise ein qualitativer Mangel, das hängt vom Einzelfall ab). Ein Fachverband sollte da nicht exklusiv, sondern inklusiv wirken. Und Aus- und Fortbildung kann so Vieles bedeuten, dass es in einem Leitbild nicht präzisiert werden sollte.
      – Der genannte Einzelfall hat ebenfalls nichts in einem Leitbild verloren.

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