Im Bundesarchiv mit seinen 23 Standorten in ganz Deutschland werden mehr als 550 Regalkilometer Akten und Karteien des Bundes und seiner Vorgängerinstitutionen aufbewahrt, außerdem 67 Petabyte Daten, ständig kommt neues archivwürdiges Material hinzu. Beinahe 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich an allen Standorten um das gut klimatisierte kulturelle Gedächtnis. Mitarbeiter der VdA-Geschäftsstelle in Fulda konnten jetzt im Rahmen einer Führung einen Blick hinter die Kulissen des größten Standorts in Berlin-Lichterfelde werfen.

In der weitläufigen ehemaligen Preußischen Kadettenanstalt lebten einst mehr als 1.000 Kadetten, heute werden in einem zweckmäßigen Magazingebäude rund 100 Regalkilometer Akten und Karteien aufbewahrt. Im zentralen Benutzungszentrum können Interessierte zudem an Unterlagen der Abteilungen DR (Deutsches Reich) und DDR einschließlich SAPMO (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR) forschen und auch Filme benutzen.
Im Foyer empfingen mit der wissenschaftlichen Archivarin Dr. Maria von Loewenich, der Leiterin der Abteilung Deutsches Reich Anette Meiburg sowie der Referentin im Grundsatzbereich Dr. Angela Abmeier gleich drei Expertinnen, um die Besonderheiten der historischen Liegenschaft inklusive der anspruchsvollen Baumaßnahmen zur Realisierung komplexer technischer Anlagen zum Schutz des Archivguts zu erläutern. Die grundsätzliche Aufgabe der dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstellten Bundesoberbehörde ist leicht umrissen:

Öffentliche Stellen des Bundes haben dem Bundesarchiv nach dem Bundesarchivgesetz ihre Unterlagen anzubieten, wenn sie diese für die Erfüllung ihrer Aufgaben nicht länger benötigen oder ihnen die weitere Aufbewahrung nicht gestattet ist. Das Bundesarchiv entscheidet dann über die Archivwürdigkeit – und obwohl im Schnitt nur zehn Prozent der angebotenen Unterlagen sich als archivwürdig erweisen, entstehen über die Jahrzehnte riesige Mengen. Die erfreuen nicht nur Archivare und Archivarinnen, sondern auch geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger: In den Lesesälen können Archivalien studiert werden, Digitalisate viel genutzter Archivalien sind ebenso online verfügbar.

Während die Unterlagen traditionell in analoger Form in den Dienststellen des Bundesarchivs aufgelaufen sind, werden heute zunehmend genuin digitale Datensätze angeboten, die ebenso streng bewertet werden, bevor sie den Bestand des Bundesarchivs ergänzen. Der Grundsatz der Bewertung bleibt gleich: Wesentliche Entscheidungen müssen ihren Niederschlag in den Akten finden, um diese archivwürdig zu machen. So werden zukünftige Generationen befähigt, wesentliche Merkmale und Zusammenhänge der heutigen, aber auch vergangener Gesellschaften nachzuvollziehen.


